

-Berliner Autor-
Marcus Schütz
Dr. Faust im Brutschrank
Molekularbiologisches Labor in Sydney: Gläserner Brutschrank mit Agarplatten, Zentrifugen, Glasgeräten, Gelelektrophorese, Chemikalienflaschen, Computer. Wissenschaftler aus Deutschland tritt herein und wendet sich Publikum zu.
Seh'n Sie, so sieht ein modernes Labor aus. Ganz gleich wo Sie auch hinkommen: In die Berliner Charité, in das Life Science Building von UC Berkeley, in eine kleine Baracke auf Hawaii's Coconut Island oder hier in ein Forschungskrankenhaus in Sydney. Seh'n Sie, alles frisch eingerichtet mit einer gigantischen Finanzspritze vom Gesundheitsministerium, alles ganz neu - keine Geräte aus den 1950ern, nee selbst die Zentrifuge im Porsche-Design. Knallblau - ein Farbtupfer zwischen weißer Hygiene.
Lacht hämisch. Wirft weißen Kittel über. Zieht Gummihandschuhe an. Wendet sich dem Brutschrank zu, der mit diversen Petrischalen-kulturen gefüllt ist. Sucht bestimmte Petrischale heraus.
Hygiene. Nee. Alles hochgefährlich. Der Brutschrank hat 37°C - Körpertemperatur, da wachsen die am besten. Hier, schau'n Sie mal, gerade 2 Tage alt und schon tropft der karamellartige Schleim vom Deckel. Sollt'n Sie lieber nicht zum Nachtisch essen, ist Cryptococcus neoformans. 'N hefeartiger Pilz, Isolat aus Taubenscheiße. Wart'n Sie, was steht da drauf? NT27. Ja, na klar, 27ste Taubenkotprobe von der Bahnstation in Newtown.
Ha, Newtown! Zweitgrößtes Szeneviertel von Sydney, viele Positive - eine opportunistische Infektion mit Cryptococcus ist dann oft das Ende - Gehirnhautentzündung und nach ein paar Monaten mausetot. Naja, wir forschen ja dran. Wie wir das machen?
Doktor Faust, der Wissenschaftler schlechthin, grübelt und befindet: "Im Anfang war die Tat?" Aber nein, am Anfang war die Idee, lieber Faust. Die Idee ist doch der springende Punkt. Die Hypothese braucht man dann nur zweimal prüfen und dann gibt's ein feines Paper - einen Artikel in irgendeiner hoffentlich anerkannten wissenschaftlichen Zeitschrift. Am besten in Nature oder Science, wenn man die richtigen Beziehungen hat. So alleine vor sich hinforschen, gibt's nicht mehr. Faust hat seine Seele verkloppt und brutzelt im Fegefeuer. Ein Faust hat heute keine Chance mehr (höchstens er hätt' Geld, Elonsche Finanzmittel, die ihm totale Unabhängigkeit verschafften). Nee, nee - Teamarbeit mit immerwährendem Lächeln im Gesicht und Fleischmarkt mit Schlips und Kragen sind angesagt. Und wofür das ganze Theater? Für das größte, das Höchsterreichbare: Das eigene Labor, mit Porsche-Design wie gesagt. Arbeiten soll ja auch Spaß machen. Immerhin sitzt man dann hier den ganzen Tag, bis abends um 8 oder 10. Oder am Wochenende: mal ein Gerät anstellen und nach 6 oder 10 Stunden ausschalten. Alles sehr zeitaufwendig. Da ist man festgenagelt. Da kann er nur froh sein, der moderne Wissenschaftler, wenn er seine Ketten verliert - sich aus dem Labor auch mal ins Leben katapultiert.
Ich kenne viele Kollegen, die sich ein paar Jahre absetzen und ein bisschen Knete machen. Frei muss er sein, der Wissenschaftler, am Ball sein: Surfing the Globe, und alles mitmachen: Tierversuche besser im Hochsicherheitstrakt, AIDS-Forschung besser an Schwarzen in Uganda, Atombomben besser im Südpazifik platzen lassen, Dreck (und sei es unter dem Deckmäntelchen der Wissenschaft) besser hinter die Landesgrenze schleppen: Aus den Augen aus dem Sinn, besser noch, auf den Ozeanboden fallen lassen; nun, da stört's vermutlich wirklich am wenigsten. Denk'n Sie doch an die Entsorgung der Ölplattform im Nordatlantik, was für ein Theater das war, dabei wäre die billigste Variante, das Versenken in eine Tiefseerinne, vermutlich wirklich die umweltfreundlichste gewesen. An der richtigen Stelle platziert, wäre der Müll durch Subduktion unter die Kontinentalplatte geschoben und vom Erdmantel aufgefressen worden. Aber Politikum, Propaganda, dagegen ist auch die Wissenschaft nicht gefeit. Selbst Greenpeace ist nicht immer richtig informiert.
Prustet in sich hinein.
Woran ich arbeite? Also, die Idee ist: Eine Infektion kommt dadurch zustande, dass der Krankheitserreger, wenn er in den Wirt eindringt, ein bestimmtes Gen aus seinem Erbgut anschaltet, welches dafür verantwortlich ist, die Immunbarriere von Otto oder Gabi zu überwinden.
Cryptococcus ist ein Einzeller. Taubenkot, wie gesagt, verwittert, vom Winde verweht und schließlich eingeatmet. Eingeatmet die immer noch lebenden Cryptococcus-Zellen - aus der fein zerstäubten Vogelscheiße.
Wunderbare Inhalations-Orte sind Venedigs Piazza San Marco oder Krakóws Rynek Glowny, mit seinen Tuchhallen in der Mitte, eben die Mekka der Renaissance: Florenz, das Haupttor der Mailänder Kathedrale oder Notre-Dame, wo immer Sie woll'n. Da kann man dann nur noch am Veit-Stoß-Altar den wurmstichigen Jesus aus dem 16. Jahrhundert anbeten. Und für Nicht-Katholen gibt's hier in Australien eine Cryptococcus-Variante, die auf Eukalyptus wächst. Naja, was woll'n Sie denn, der weiße Mann lebt ja kaum 200 Jahre hier - nix mit Renaissance nur Convicts, Militär und vielleicht ein bisschen Kolonialadel. Hier hat man nichts von den legendären, zu Tauben verfluchten Höflingen eines mittelalterlichen Herrschers zu Kraków gehört. Auf dem Rynek Glowny lässt sich die dicke Blumenfrau mit slawischem Kopftuch und sieben Unterröcken von einer Taubenschar noch mit Ehrfurcht vom Hocker schubsen.
Wo war ich stehengeblieben? - Immunbarriere überwinden. In der Regel macht es nix, wenn wir solche Keime einatmen; unser Atmungsapparat ist zwar für den Gasaustausch prima eingerichtet, andererseits aber total auf Partikel-Abwehr und Filterung eingestellt. Die Luftwege sind mit Filamenten ausgekleidet, die die kleinsten Teilchen wieder nach außen transportieren. Immer nach der Sputum-Devise: Schleimbatzen sammeln und abrotzen.
Jedoch selbst mit dicker Polysaccharidkapsel umgeben, durchbrechen die Cryptococcus-Zellen diese erste Barriere. In die Alveole eingedrungen, wird nun ein Gen aktiviert, das ein Enzym synthetisiert und seinerseits beispielsweise die Phagozytose eines geschwächten Immunsystems lahmlegt. Phagozytose, frag‘n Sie? Na da kommt so'n Monozyt an, umstülpt den Erreger, verleibt ihn sich ein und verdaut ihn nun in aller Ruhe, oder macht ihn zumindest unschädlich. Seh'n Sie, und so ginge die Arbeitsidee also weiter: Wenn man nun dieses Gen ausschalten könnte, führe selbst eine geschwächte Abwehr noch ihren normalen Gang und eine Infektion wäre verwirkt. Wenn wir hier im Labor alles fertig geforscht haben, muss die Pharmazie mit einer Pille her, die genau dieses von uns identifizierte Gen ausschaltete, unwirksam machte.
Zündet Bunsenbrenner an.
Sauber arbeiten ist das Wichtigste. Die Luft ist voller Keime, Keime haben natürlich eigene Gene - Kontamination mit fremdem genetischem Material ist also ganz einfach. Hier, der Bunsenbrenner macht Thermik, alle leichten Partikel werden mit der aufsteigenden Luft in die Höhe gerissen, manche verbrannt, weg vom Arbeitsplatz. Wenn ich jetzt die Petrischale nahe an der Flamme öffne, kann kein Fremdkeim drauffallen, alles lose Material fliegt hoch in die Luft.
Mit einer Impfnadel entnimmt er der Petrischale ausreichend Cryptococcus-Kultur und überträgt sie in einen Mörser mit flüssigem Stickstoff. Dampf entsteigt der Schale.
Das ist flüssiger Stickstoff, friert alles augenblicklich ein. Minus196°C. Stoppt Enzymaktivität, die z.B. genetisches Material abbaut. Wir wollen ja Gene finden. Erster Schritt: Zellen aufreißen. Tiefgefroren kann man nun den Cryptococcus zermörsern und sein feines Pulver lösen. So, das wäre geschafft. Vortexen, filtern, zentrifugieren.
Macht was er sagt.
Diese Zentrifuge, rund, plakativ - ein mechanisches Wunderwerk mit erotischen Formen. Ha, die Werbepsychologen, die wissen, wie sie einen im Labor halten. Überhaupt, glänzende Flächen wie eine Autokarosse. Oder hab'n Sie mal ein modernes Motorrad, so einen Joghurtbecher in der Draufsicht betrachtet. Weibliche Formen durch und durch. Der Sitz der Solomaschine: Eine Wespentaille und der gewaltige Tank, eingerahmt von den Lenkerstummeln, macht Torbogenreflex - dieses Rund, wie die Hinteransicht einer Kuh, die jedem Bullen seinen Schwanz ausfahren lässt. Aufreiten ist der Terminus technicus. Nun, Aufsitzen macht sich auf dieser kleinen Zentrifuge schlecht, vielleicht hat sie andere Eigenschaften. Möglicherweise is' sie ein guter Vibrator?
Doch bleiben wir ernst, als leidenschaftlicher Motorradfahrer muss ich etwas über die Zeit sagen. Nicht was auf der Hand liegt, dass man schneller durch den Stau käme, sondern etwas zur Zeit an sich. Beim Motorradfahren gibt es keine Vergangenheit und keine Zukunft. Das Jetzt ist der faszinierende Faktor. Beim Sausen über die Piste erlebt der Motorradfahrer unmittelbar: Das Wahrnehmen eines Eukalyptusbaumes an seiner Duftwolke, die er ausströmt und die in diesem Augenblick von der Menschmaschine durchschnitten wird. Unverfälscht, und nicht erst mühselig eingesaugt durch die Klimaanlage eines Autos, erlebt der Motorradfahrer den ätherischen Nasenzauber.
Wie noch zeigt sich dieser Augenblick? Die Sonne auf dem linken Knie, kalter Wind auf dem rechten. Regen prasselnd auf die Montur oder richtig schlammdurchgepeitscht schräg hinterm Doppelreifen eines Lastkraftwagens. Oder nur das Säuseln der Maschine am Feldrain, am Waldrand, an der Leitplanke oder an einer Mauer gebrochen - niemals das gleiche Säuseln - aber immer ein Rausch, der unentwegt ist, solange man fährt.
Das hochtourige Aufbrausen des Motors wenn er sich jenseits der 200 km/h-Marke austollt, die Landschaft sich am Helmvisier vorbeibeugt und der Fahrer sich mit den Oberarmen an den Tank klemmt, mit der Maschine Eins wird, um den Luftwiderstand zu verringern, ja sich selbst ekstatisch im Jetzt hält. Ein Rausch hat begonnen, nur noch die Markierungen auf der Betonpiste kann der Fahrer erfassen, alles andere verschwimmt - links und rechts. Ein Tunnel hat sich aufgetan in eine andere Welt, eine phantastische Welt frei von Vergangenem und Zukünftigem und damit frei von Ängsten, denn Angst hat ihre Wurzel in der Vergangenheit und ihre Richtung in der Zukunft.
Nimmt Erlenmeyerkolben aus Regal und erweicht Agar in Mikrowelle.
Das süße Spiel mit der Angst haben sich nicht nur Mafiabosse und Versicherungen, sondern vehement und immer doller Politiker und Leitmedien zur perfiden Gewohnheit gemacht, um das dümmlich überversicherte Volk weiter einzuschüchtern, konform und gefügig zu machen. Mit der Übergriffigkeit des naiv moralisierenden Moments wird in Gut und Böse geteilt und Dialog verwirkt. Jedes Hinterfragen wird mit der Leitmedienkeule totgeschlagen. Übrig bleibt eine isolierte und willenlose Konsumratte, die glaubt alles richtig zu denken. Klar konsumieren wir zunehmend Informationen aus dem Netz, mit und ohne Leitartikel. Selbst die sozialen Medien zensieren in Recht und Schlecht. Eigentlich sollte ich mein Tratschmaul halten. Doch inzwischen überholen Twitter, Meta & Co. den guten alten Tuntenfunk: Ein Kollege in L.A., mit 'n paar Computern in seinem Büro, hatte seinen powervollsten auf Dauer-Gay-Online geschaltet. Moderner Tuntenfunk eben; jedoch allein, zuhause von der Sofakante aus. Alles erscheint kurzlebiger und man meint, ständig etwas zu verpassen. Quatsch mit Soße, wie heißt's bei Brecht: „Alle rennen nach dem Glück / Das Glück rennt hinterher...“ Alle verstecken sich hinter verordneter Maske, verpassen das Beste im Leben. Eine ganze, gerade aufknospende Generation verfällt in Qualmoral. Also setzte ich mich so lange auf meinen Rennhobel, widersetze mich der Angst, halte mich im glücklichen Jetzt, bis die Übermacht der Gutmenschen oder der Tod uns scheiden.
Magpies zwitschern durchs angelehnte Fenster.
Hör'n Sie? Fünf Uhr! Wir haben Winter in Sydney und diese Piepmätze sind akkurate Dämmerungsanbeter. Na, nun ist's dunkel, nun kann ich auch weiterarbeiten, vom Glück hab' ich jetzt eh nichts mehr. Tagsüber ist es ja warm, wie mitten im Berliner Sommer; aber diese langen Nächte, diese kurzen Tage, da muss man ja die Nerven verlieren. Vor allem, wenn man noch weiterarbeiten darf... Aber geil ist es schon, wenn man abends auf seinen Balkon tritt, ein Zigarettchen raucht und plötzlich ein Flughund vorbeisegelt - lautlos - den Parramatta-River flussabwärts. Nicht diese kleinen fipsigen Abendsegler aus Deutschland. Nein! Ein Säuger mit wirklichen Flugsaurierqualitäten.
Gondwanaland.
Mesozoikum im Holozän.
Winter im Sommer.
Norden im Süden.
Eine andere Welt, in der Tat.
Gießt Agar in vorbereitete Elektrophoresewanne.
Ich bin ja immerhin Biologe, lass'n Sie mich also, während ich das Gel hier gieße, noch ein bisschen vom Outback plappern. Moment, der Kamm muss genau senkrecht stehen, ... kein Bläschen drin, ... alles austariert. Sooo, fertig, muss nur noch abkühlen und fest werden, dann kann ich ein paar Mikroliter der Probe laden und sehen, ob die Gen-Extraktion tatsächlich geklappt hat.
Stellt benutzten Erlenmeyerkolben in Ausguss, spült mit Wasser.
Outback,... ja,... obwohl ich hier nun mit übergeworfenem Kittel im Labor herumspaziere, habe ich das Schmetterlingsnetz und die Botanisiertrommel aus dem Grundstudium noch nicht vergessen. Beide hatten ihre Hochzeit im 19. Jahrhundert und sind inzwischen gänzlich aus der Mode gekommen. Mal von ein paar Museumsfritzen abgesehen, die das Jagen und Sammeln noch nicht aufgegeben haben. Oder eventuell noch von Nutzen bei der Suche nach einer vergessenen Urwalddroge, die die Insuffizienzen der Selbstdomestikation erträglicher machte. Wie dem auch sei, naturverbunden - wie es immer so schön heißt - da steh ich zu. Australien war wohlüberlegtes Berufsziel, auch wenn ich hier nur zwei Tage Urlaub pro Monat erarbeite. Glücklicherweise komme ich in meiner Position von Zeit zu Zeit in die Bedrängnis, ein neues Cryptococcus-Isolat von irgendeinem Outback-Baum abzukratzen. Outback was fasele ich nur immer - Touristenterm, die Australier nennen es Bulamakanka und das ist dann wirklich JWD!
Auf Cape York jedenfalls, im tropischen Regenwald - erträglicher im Winter nebenbei bemerkt - ist es uns begegnet. Zwei Wochen hatte ich schon sehnsüchtig, doch leider vergeblich darauf gewartet. Da waren schon etliche Warane und Busch-Puten auf unser Zelt gefallen. Da hatten wir bereits Hunderte von Kängurus, Wallabys und Possums gefüttert, tags und nachts. Da hatte uns ein fetter Walzenskink seine adlig-blaue Zunge rausgestreckt. Da waren wir schon vor einem rotzgiftigen Taipan ins sichere Auto geflüchtet. Und dann? Dann waren wir schließlich abgefahren, mussten aber noch einmal umkehren, weil die Fähre einen Schaden hatte. Eine letzte erzwungene Nacht an Cape Kimberley - da sag mir noch einer, die Voltairsche Vorsehung sei nichts weiter als Lug und Trug!
Im Morgengrauen.
Früher Aufbruch.
Schwaden von Morgennebel.
Stimmung wie im russischen Märchen: Mascha und Dascha gehen im Wald Pilze sammeln. Die Pilze reichen schon bis an die Kinderbrust, plötzlich fangen die Bäume an zu sprechen und Babajaga ist nicht mehr weit. - In diese Stimmung tritt urplötzlich, - langsam - aber unaufhaltsam dieser menschengroße Vogel aus dem Dickicht rechts, - watet über den Sandpfad vor uns und verschwindet im Dickicht links.
Eine Fata Morgana? Vor unserem Exkursionsauto! - Und doch jedes Detail sichtbar für den Augenblick. Für ein Foto viel zu dunkel! Dickicht links und rechts - und tiefer Sonnenstand des Morgens - wie gesagt - und natürlich nur 100er Film in der Kamera. Dennoch: Ein unbeschreiblicher Urvogel, - bewaffnet mit gefährlichen Saurierpranken, auf denen mit Echsenleder bezogene, stämmige Läufe gewachsen sind.
Saurierkrallen - klobig und groß - viel zu groß für das Tier.
Das Federkleid obendrauf, wie lange zottlige Haare - dunkel - fast schwarz. Der breite Schnabel und das offene Ohr geben dem Vogelkopf etwas Menschliches! - Vom langen, blauschillernden Hals schwabbeln paarig knallrote Säckchen in das fellartige Gefieder. Plus die unglaubliche Krönung: Ein schaufelförmiger Knochen! Mitten auf des Kopfes Scheitel. Mit dem Kopf durch die Wand würd'n Sie denken.
Und tatsächlich, der Knochen erlaubt die Flucht ins dichter werdende Unterholz des Regenwaldes. Nur einmal zuvor - noch als Steppke - hatte ich solch ein Wesen gesehen: Mausetot und ausgestopft in einer Glasvitrine eines schon längst entseelten polnischen Naturforschers. Der Mann, muss den Helmkasuar auf einer langen Schiffspassage von Cape York nach Europa getragen haben.
So ein Erlebnis! Mensch-unabhängige-Natur-pur!... vorbei an der täglichen Auseinandersetzung zwischen Neuer-Welt-Mentalität der Amis oder Aussis und der nachdenklich-europäischen Schwere. Europas Sonne, Mond und Sterne - mit Depressivität verhangen und mit Geschichte zugeschüttet, die auch Humanität und Aufklärung gewesen war.